Besuchergruppen

Kunstführung im Reichstag: Wo Kunst, Geschichte und Politik aufeinander treffen

Am Reichstagsgebäude ist der Verlauf der jüngeren deutschen Geschichte besonders deutlich wahrzunehmen. Die Spuren sind noch sichtbar, sie müssen nur gefunden und gelesen werden. Und das taten die Tempelhof-Schöneberger*innen und ganz kurzfristig auf Bitten eines Ärztlichen Direktors einer der Vivantes-Klinken auch amerikanische Patholog*innen. Diese hielten sich wegen eines Fachaustausches über Labordiagnostik in Berlin auf. Ich bedanke mich bei Helena Weber, FSJ-Plerin, und Melanie Wehler, Praktikantin, über die ihnen ungefragt übertragenen hervorragenden Übersetzungsleistungen.

Kunst- und Architekturführung

Am 6. Mai 2017 war es endlich wieder soweit: Interessierte Tempelhof-Schöneberger*innen nahmen zahlreich die Möglichkeit war, bei einer Kunst- und Architekturführung mit mir zusammen auf Spurensuche in das historische Reichstagsgebäude, dem Herzstück des Parlaments, zu gehen. Die sachkundige Erläuterung erfolgte durch eine Referentin des Besucherdienstes des Deutschen Bundestages.

„Wahnsinn, das hätte ich ja nicht gedacht...“ - Kunst- und Architekturführung im Paul-Löbe-Haus

Wer an den Bundestag denkt, hat meistens die Bilder vom Plenarsaal mit den blauen Stuhlreihen vor Augen oder die Bilder von Abgeordneten, die mit ihren Aktenkoffern durch die großen Hallen des Reichstags mit seiner schönen Glaskuppel zum nächsten Termin eilen. Doch der Bundestag hat noch mehr zu bieten- er ist auch ein Ort der Begegnung von Kunst und Politik. Es gibt viel zu bewundern und zu staunen. Daher bin ich froh, dass ich regelmäßig zu Kunstführungen durch den Deutschen Bundestag einladen zu können. Dadurch erhalten Bürger*innen aus meinem Wahlkreis Tempelhof-Schöneberg die Möglichkeit, sich ein Bild von der Kunst und Architektur in den Bundestagsgebäuden zu machen.

Meiner Einladung am 4. Februar 2017 sind 25 Bürger*innen gefolgt. Darunter waren Viele, die in den letzten Wochen und Monaten in die SPD eingetreten sind, was mich besonders gefreut hat. Der Schwerpunkt der Führung lag dieses Mal auf dem Paul-Löbe-Haus, das Gebäude, in dem vor allem die Ausschussarbeit des Bundestages stattfindet.

Das Jakob-Kaiser-Haus – Ein Haus aus acht Häusern

Bericht von Helena Weber, Freiwilliges Soziales Jahr in der Politik

„Politik ist unser Schicksal. Und niemand kann ihm ausweichen.“, so zumindest sagte es der Namensgeber dieses Hauses. Und sein Schicksal war die Politik in jedem Fall. Im Jahre 1912 wurde Jakob Kaiser Mitglied in der Zentrumspartei und saß als Abgeordneter im letzten frei gewählten Reichstag. Nach der Machtübernahme durch das NS-Regime schloss Kaiser sich dem Widerstand an und verbrachte einige Monate in Gestapohaft. Nach dem Ende des Krieges beteiligte er sich maßgeblich am Aufbau der CDU und übernahm dann auch den Vorsitz der Partei für Berlin und die sowjetische Besatzungszone. Da Kaiser jedoch gegen die Gleichschaltungspolitik war, enthob ihn die sowjetische Militäradministration seines Amtes. Nun arbeitete er als Mitglied des Parlamentarischen Rates an der Entstehung des Grundgesetzes und setzte sich später als Bundestagsabgeordneter und Bundesminister für Gesamtdeutsche Fragen für die Wiedervereinigung Deutschlands ein.

Diesmal ging es mit der von Mechthild Rawert organisierten Kunst- und Architekturführung für BürgerInnen aus ihrem Wahlkreis Tempelhof-Schöneberg am 8. Oktober 2016 nicht nur durch das Reichstagsgebäude. Erkundet wurde dieses Mal das Jakob-Kaiser-Haus, das zu den Gebäuden des Deutschen Bundestages zählt.

Kunst- und Architekturführung: „Ein modernes Parlament im historischen Gebäude“

Ein Bericht von Helena Weber, Freiwilliges Soziales Jahr in der Politik

Das Berliner Reichstagsgebäude gilt als eine der größten BesucherInnenattraktionen Deutschlands. Mit seinen bis jetzt fast  40 Millionen BesucherInnen ist er vergleichbar mit dem Kölner Dom und Schloss Neuschwanstein. So lädt Mechthild Rawert regelmäßig Bürgerinnen und Bürger aus dem Wahlkreis Tempelhof- Schöneberg zu Kunst- und Architekturführungen im Reichstagsgebäude ein. Dass das Gebäude in seiner äußerlich beinahe unveränderten Form zu einer so großen Attraktion werden konnte, war jedoch alles andere als selbstverständlich. Denn nach dem zweiten Weltkrieg wurde intensiv darüber diskutiert, das durch den Krieg stark zerstörte Gebäude abzureißen. Während des Krieges trafen etwa eine Million Geschosse das ursprünglich zwischen 1884 und 1894 von dem Architekten Paul Wallot erbaute Reichstagsgebäude. Erst nach der Wiedervereinigung Deutschlands beschloss der Deutsche Bundestag mit einer knappen Mehrheit seinen Sitz von Bonn nach Berlin in das Reichstagsgebäude zu verlegen. Mit dem Umbau wurde der britische Architekt Norman Foster betraut, der beschloss die Außenmauern des Gebäudes zu erhalten und nur das Innere zu verändern. Foster plante die 1954 gesprengte Kuppel durch ein gläsernes Flachdach zu ersetzen, fand dabei im Bundestag, wo man befürchtete, der Reichstag würde anschließend das Aussehen einer riesigen Tankstelle haben, aber wenig Unterstützung - gewollt wurde eine Kuppel. So errichtete er schließlich doch eine Kuppel, die dem Prinzip des restlichen Gebäudes entsprach: ästhetisch, funktional und ökologisch.

Die ungewöhnlichste Ausstellung im Bundestag - Der verhüllter Reichstag

Bei den Kunst- und Architekturführungen durch das Reichstagsgebäude gibt es ein neues Highlight zu bestaunen: die Dauerausstellung zum „Verhüllten Reichstag“. Ich habe mich gefreut, dass diese Ausstellung auch ein besonderer Schwerpunkt der von mir angebotenen Führung am 18. Juni 2016 gewesen ist. Nahezu alle Teilnehmenden verbanden noch großartige Erinnerungen an die Zeit des verhüllten Reichstagsgebäudes, egal ob sie damals in Berlin wohnten oder extra nach Berlin gekommen sind.

Auch Sie erinnern sich sicherlich: vor genau 21 Jahren hatte das Künstlerehepaar Christo und seine Frau Jeanne-Claude das Reichstagsgebäude verhüllt. Seit 1971 setzte sich das Künstlerehepaar Christo und Jeanne-Claude für ihr Kunstprojekt „Wrapped Reichstag“ ein. Vom 24. Juni bis zum 7. Juli 1995 hatten sie das Reichstagsgebäude endlich vollständig mit aluminiumbedampftem Polypropylengewebe eingepackt. Fünf Millionen Menschen besichtigten damals das vollständig verhüllte Parlament. Berlin bedankte sich für diese einmalige Aktion mit strahlenden Sommerwetter.

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