Mütter brauchen eine ganzheitliche Förderung ihrer Gesundheit

Die Gesundheit und die Gesunderhaltung der Mütter in Deutschland ist das Ziel der Elly Heuss-Knapp-Stiftung, besser bekannt als Deutsches Müttergenesungswerk (MGW). Zwar haben sich die Verhältnisse in den letzten 65 Jahren gewandelt - doch auch heute sind Mütter in Deutschland vielfachen Belastungen ausgesetzt, die körperliche und seelische Erschöpfung zur Folge haben können und Rat und Hilfe notwendig machen.

Elly Heuss-Knapp war eine mutige und äußerst tatkräftige Frau. Sie gab den Müttern in Deutschland mit der Stiftung eine starke öffentliche Stimme - so wie es meiner Meinung nach heute auch unsere Bundesfamilien- und Bundesfrauenministerin Manuela Schwesig tut. Auch heute brauchen Mütter zu ihrer Unterstützung die Politik. Sie brauchen InteressensvertreterInnen, die auf ihrer Seite sind: Mütter wollen auch heute eine „gute Mutter“ sein. Sie wollen/müssen sich zeitgleich den zunehmend verdichtenden Arbeitsanforderungen als auch den gestiegenen Rollenanforderungen an das Frau-Sein, an die jeweilige Partnerschaft und ggf. auch zusätzlichen Anforderungen der Pflege, des ehrenamtlichen Engagements etc. stellen. Mütter wollen raus aus dem Hamsterrad! Mütter brauchen mehr Zeitsouveränität!

Zu den MGW-Stiftungsaufgaben gehören:

  • Gesundheit von Müttern: Mütter- und Mutter-Kind-Kurmaßnahmen
  • Information, Aufklärungsarbeit und Politische Arbeit für Mütter: Öffentlichmachung von krankmachenden Lebensbedingungen von Müttern, und Einsatz für die Verbesserung für Rahmenbedingungen für Kurmaßnahmen (§§ 24,41 SGB V)
  • ganzjährig Spenden sammeln
  • Mit der Gründung der „Stiftung Sorgearbeit“ 2013 wurde die Arbeit der Stiftung ausgeweitet auf Väter und pflegende Angehörige für die spezifischen Kurmaßnahen angeboten werden.

MGW: Expertin für Kurmaßnahmen aufgrund des familiären Nahumfeldes

Anne Schilling, Geschäftsführerin des MGW, und Dorothea Stöcker, Mitglied des Kuratoriums, informierten am 21. Mai die Mitglieder des Familien- und Gesundheitsausschusses über die von der Stiftung geleistete Arbeit und über ihre Forderungen an die Politik. Über diese Charts können Sie sich im Anhang zu diesem Artikel informieren. Die aktuelle Debatte „regretting motherhood“ wird von Frau Schilling begrüßt. Sie zeigt die überbordenden Mütterbilder auf und die damit verbundenen Belastungen. Zunehmend wird deutlich, dass Eltern immens unter Druck stehenErfreulich ist, dass die „neuen Väter“ immer sichtbarer werden. Sie kümmern sich zunehmend um die Kindererziehung. Das gilt aber nicht für die Hausarbeit. Für pflegende Frauen sollte ebenso wie für Mütter der Grundsatz „ambulant vor stationär“ bei Vorsorge- und Reha-Maßnahmen aufgehoben werden. Vorgetragen werden auch Forderungen für das Präventions- und GKV-Versorgungsstärkungsgesetz.

Wer sind die Mütter?

Jährlich unterstützt das MGW rund 50.000 Mütter und cirka 75.000 Kinder in vom MGW anerkannten Einrichtungen mit Vorsorge- und Rehabilitationsmaßnahmen. Der überwiegende Teil der Mütter ist zwischen 26 bis 45 Jahre, haben 1-2 Kinder unter 18 Jahren, sind zu über 70 % erwerbstätig, 14 % haben einen Migrationshintergrund (am meisten vertreten sind Frauen aus Osteuropa, gefolgt von türkeistämmigen und arabischsprechenden Frauen). Vertreten sind alle Bildungs- und Einkommensstufen, zwei Drittle sind verheiratet, 30 % alleinerziehend. 20 % der Mütter haben Kinder mit Beeinträchtigungen bzw. chronisch kranke Kinder. Am häufigsten berichten die Mütter über Erkrankungen des Skeletts, der Muskeln und des Bindegewebes sowie über Erkrankungen des Herz-Kreislauf-Systems. Wesentlich mehr Frauen als Männer berichten über elternspezifische, familiäre und psychosoziale Belastungen. Im Zentrum stehen ständiger Zeitdruck, Überlastung durch Beruf und Familie, finanzielle Sorgen / Schulden, Angst vor Arbeitslosigkeit, Erziehungsschwierigkeiten sowie mangelnde Anerkennung und Unterstützung durch die Familie.

Bedarf ist viel höher als die Angebote

Der tatsächliche Bedarf an Gesundheitsleistungen für Mütter ist hoch. 20 % (circa 2,1 Millionen) der für die Kinderversorgung  und  -erziehung  hauptverantwortlichen   Mütter   leiden   unter   Gesundheitsstörungen oder  Erkrankungen  und  psychosozialen  Belastungssituationen  und  besitzen  einen  medizinisch  begründeten Anspruch auf eine Maßnahme nach §§ 24 und 41 des SGB V. Allerdings kommen in den Maßnahmen nur 0,5 % dieser Frauen an (vgl. den 2007 veröffentlichten  Abschlussbericht „Bedarfs- und Bestandsanalyse von Vorsorge- und Rehabilitationsmaßnahmen für Mütter und Väter in Einrichtungen des Deutschen Müttergenesungswerkes (MGW)“, ein im Auftrag des BMFSFJ vom Institut für empirische Soziologie an der Universität Erlangen - Nürnberg (ifes) erstelltes Forschungsprojekt).

Der Weg zur Kur        

Die Kurmaßnahmen im Verbund des Müttergenesungswerkes sind medizinische Maßnahmen mit dem Ziel, die Gesundheit von Müttern, Vätern und pflegenden Frauen zu stärken. Diese Maßnahmen können Mütter mit ihren Kindern wahrnehmen. Sie beziehen dabei das gesamte Lebensumfeld in die Therapie mit ein. Zusätzlich zu den gesetzlichen Anforderungen ist die Arbeit im System MGW in allen Mütter- und Mutter-Kind-Einrichtungen durch Frauenspezifik und Ganzheitlichkeit in therapeutischen Konzepten und Angeboten geprägt. Die qualitätsgesicherten Maßnahmen des MGW sind das bundesweit einzige Angebot im Bereich der gesundheitlichen Regelversorgung, das konzeptionell die Sensibilität für geschlechtsspezifische Lebens- und Problemlagen im Programm vertritt. Die effektive und nachhaltige  Wirkung der Vorsorge- und Rehabilitationsmaßnahmen des Müttergenesungswerkes ist auf ein spezifisches System zurückzuführen. Die wesentlichen Bestandteile sind die Prinzipien der Therapeutischen Kette: die frauenspezifische, ganzheitliche medizinische und therapeutische  Behandlung der Frauen sowie die Vor- und Nachsorge in den Beratungsstellen der Wohlfahrtsverbände im Verbund des Deutschen Müttergenesungswerkes.

Die Elly Heuss-Knapp-Stiftung - Deutsches Müttergenesungswerk (MGW

Unter dem Dach des Müttergenesungswerkes arbeiten die fünf Wohlfahrtsverbände bzw. ihre Arbeitsgemeinschaft/ihr Fachverband - Arbeiterwohlfahrt Bundesverband e. V. (AWO), DER PARITÄTISCHE Gesamtverband e. V. (Der Paritätische), Deutsches Rotes Kreuz e. V. (DRK), Evangelischer Fachverband für Frauengesundheit e.V. (EVA), Katholische Arbeitsgemeinschaft für Müttergenesung e.V. (KAG) - für das gemeinsame Ziel, die Gesundheit und Gesunderhaltung von Müttern, zusammen. Bundesweit stehen ca. 1.300 Beratungsstellen als Anlaufpunkte für Frauen zu Fragen rund um die Kur zur Verfügung. Am 16. Oktober 2013 erweiterte das MGW seinen Stiftungszweck: Mit der "Zustiftung Sorgearbeit" öffnen sich die MGW-Angebote nun auch für Menschen, die im familiären Kontext Sorgearbeit leisten, wie zum Beispiel Väter und Pflegende. Rund 235.000 Väter haben seitdem an den „Kur“maßnahmen teilgenommen.

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BT-Ausschüsse Gesundheit und Familie-210515.pdf702.49 KB